Nach all den vielen Krimis, die ich in der letzten Zeit gelesen habe, wurde es dringend mal wieder Zeit für etwas anderes.
Aber manchmal ist es gar nicht so einfach, dann das Richtige zu finden, denn ein bisschen was spannendes muss ein Buch für mich schon haben, wobei Spannung ja nicht immer gleich Mord und Totschlag heißen muss.
Nur reine Herz-Schmerz-Geschichten kommen für mich so gar nicht in Frage, genauso wie Jugendbücher.
Teenagersorgen habe ich in den unterschiedlichsten Alterklassen ausreichend zu Hause, da mag ich nicht auch noch drüber lesen :-)
Aber abgesehen von Krimis lese ich auch liebend gerne historische Romane und deshalb hat es mich sehr gefreut, dass ich „Der Hochzeitsring“ aus dem Sutton-Verlag lesen durfte.
Der Hochzeitsring
von Henry Köhlert
Konrad lebt und arbeitet im Hause des Goldschmiedes Thomas von Weimar, der den von Geburt an stummen Jungen schon sehr früh zu sich nahm. Konrad verehrt und bewundert seinen Meister und dessen Arbeit und wünscht sich irgendwann einmal genauso kunstvollen Schmuck herzustellen wie dieser.
Als Konrad an einem bitterkalten Morgen die Leiche einer jungen Frau, versteckt unter einer Schneewehe, entdeckt, ahnt er noch nicht, wie sehr dieser Fund sein Leben und das Leben aller die ihm wichtig sind verändern wird.
Die junge Frau gehörte zum Haushalt von Kalman von Wiehe, einem jüdischen Händler, der bei Thomas von Weimar den Hochzeitsring für die bevorstehende Heirat seines Sohnes in Auftrag gegeben hat. Ihre Leiche ist schrecklich verunstaltet und von blauen Flecken übersät.
Nach und nach verbreitet sich das Gerücht, das Mädchen sei nicht ermordet worden, sondern an der Pest gestorben, die in weiten Teilen des Landes grassierte.
Schuld daran, dass die Pest nun auch nach Erfurt gekommen sei, seien die Juden und nach und nach schaukelt sie die Stimmung in der Erfurter Bevölkerung immer weiter hoch.
Aber nicht nur die Juden, sondern auch alle die, die sich in Freundschaft mit ihnen verbunden fühlen müssen fortan um ihr Leben fürchten. Auch Konrad, sein Meister und dessen Familie können dem immer weiter um sich greifendem Hass und der Gewalt nicht entkommen.
Mein Fazit
Eine wirklich beeindruckende und sehr detailreiche Schilderung des mittelalterlichen Lebens und Arbeitens.
Der Hochzeitsring ist in der Zeit kurz vor dem Erfurter Progrom 1349 angesiedelt und bietet eine Erklärung dafür, dass ein reicher jüdischer Kaufmann all seinen Schmuck, inklusive eben des Hochzeitringes, in der Mauer seines Hauses verstecken musste.
Entdeckt wurde dieser Schatz 1998 zufällig bei Bauarbeiten.
Die vielen kleinen Einzelheiten über das Leben in dieser Zeit, vom Arbeiten über das Einkaufen bis hin zu den Schwierigkeiten eines jungen, verliebten Mannes ließen mich schnell in das Erfurt des Mittelalters eintauchen.
Die allgegenwärtigen Ratten und die aus heutiger Sicht verheerenden hygienischen Verhältnisse ließen mir schon manchmal die Haare zu Berge stehen, anders als die gelegentlichen pubertären Überlegungen Konrads, die schon eher zum Schmunzeln waren.
Eher bedrückend empfand ich die Schilderung, wie aus einem Geflecht aus Gerüchten, Unwissenheit, Angst und Neid ein derartiger Fremdenhass entstehen kann, das er eben zu solchen Auswüchsen wie dem Erfurter Progrom führen kann.
Leider ist knapp 600 Jahre später ja erneut unter Beweis gestellt worden das so etwas genau so wieder funktioniert und bis heute scheinen wir uns, zumindest darin, kaum von unseren Vorfahren aus dem Mittelalter zu unterscheiden.
Hin und wieder habe ich manche Passagen als etwas langatmig empfunden, aber vielleicht lag es auch daran, dass ich immer möglichst schnell wissen wollte, wie es weitergeht :-)
Auf jeden Fall ist dieses Buch wirklich für alle empfehlenswert die sich mit Geschichte und geschichtlichen Ereignisse gern in intelligenter und unterhaltsamer Form beschäftigen.
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