Der Herr der Unterstadt | Rezension

Der Herr der UnterstadtDank eines Newsletters und eines Postings bei Facebook bin ich auf das Buch Der Herr der Unterstadt aufmerksam geworden.

Eigentlich ging es da um das Cover für die französische Ausgabe des Buches, trotzdem hat es mich neugierig gemacht.

Auf der Homepage des Autors Daniel Polansky habe ich mir dann die Leseprobe durchgelesen, mir einen toll gemachten Trailer  zum Buch angeschaut  und da  mir beides ausgesprochen gut gefiel, hab ich mir das Buch dann gekauft – auch wenn ich mir vorgenommen hatte erst mal kein Buch zu kaufen, weil ich noch genug ungelesen Bücher habe.

Aber so ist das manchmal. der Geist ist willig … und so weiter :-)

Aber es war auf jeden Fall eine gute Investition

Der Herr der Unterstadt

von Daniel Polansky

Der Patron, früher Mitarbeiter beim Geheimdienst der Herrscher von Rigus, bestreitet mittlerweile seinen Lebensunterhalt hauptsächlich als Dealer diverser Drogen wie z.B. Koboldatem, die er selber auch in ziemlichen Mengen konsumiert

Bei seinen dubiosen Geschäften kommen ihm nicht nur seine Kenntnisse der vielen verschiedenen in Rigus gebräuchlichen Dialekte und seine
guten Beziehungen zu Stadtwache zu Gute, sondern auch die Tatsache, dass er weiß wie man sich in der heruntergekommenen Unterstadt Respekt verschafft…und dabei ist er wirklich nicht zimperlich.

Eines Tages verschwinden in der Unterstadt Kinder, die kurz darauf ermordet aufgefunden werden. Selbst hier, wo moralische Grundsätze nicht viel gelten, sorgen diese Morde für ziemlich viel Aufsehen und Unruhe.

Der Patron hat eigentlich kein großartiges Interesse daran herauszufinden was hier geschieht, trotzdem lassen auch ihn die Geschehnisse nicht los. Dazu kommt, das die paar Freunde die er hat, allen voran der Wirt Adolphus, von ihm erwarten, dass er etwas unternimmt um dem Ganzen ein Ende zu setzen.

Auch seine ehemaligen Herren sehen das so und setzen ihn unter Druck und so beginnt er, zunächst etwas widerwillig, zu ermitteln.

Mit seinen  Ermittlungen sticht er in ein Wespennest aus korrupten Adeligen und undurchsichtigen Magiern die allesamt nicht sonderlich erfreut über seine Arbeit sind. Aber seine Suche nach den Tätern und den Hintergründen führt ihn nicht nur in die Abgründe von Rigus sondern auch weit zurück in die Vergangenheit, in die Zeit als der  Krieg in Parton herrschte und letztlich mit Hilfe von schwarzer Magie gewonnen wurde.

Mein Fazit:

Geschrieben ist der Herr der Unterstadt in der Ich-Form – eine Perspektive, die mir eigentlich beim Lesen nicht sonderlich liegt – warum auch immer.

Auf den ersten rund hundert Seiten lernt man als Leser so aus dieser Perspektive die Unterstadt von Rigus, einen Teil seiner Bewohner und vor allem den Helden der Geschichte, den Patron, kennen.

Der Patron ist allerdings nicht wirklich das, was man sich gemeinhin unter einem Helden vorstellt – er konsumiert Drogen, dealt damit und setzt seine Gebietsansprüche in der Unterstadt ziemlich rigoros durch.

Kurze Rückblicke gewähren mir als Leser kleine Einblicke in seine Kindheit, Jugend und seine Zeit als Ermittler der Herrscher von Rigus. Diese Einblicke lassen mich zwar das Eine oder Andere besser verstehen, lassen aber auch keine Zweifel daran aufkommen, dass der Patron nicht unbedingt mit Robin Hood zu verwechseln ist. Das macht aber nichts – irgendwie ist mir der Kerl trotzdem an’s Herz gewachsen :-)

Der Umgangston in Rigus Unterstadt ist, wie sollte es auch in so einem Viertel anders sein, sehr derb, sehr direkt und wenig herzlich. Genauso laufen auch Ermittlungen des Patrons zu den Kindermorden ab – Diplomatie kommt in seinem Wortschatz nicht unbedingt vor und einschüchtern lässt er sich auch von hohen Herren oder zwielichtigen Magiern nicht. Er verfolgt ziemlich stur seinen Weg, auch wenn das oft genug schmerzhaft und manches Mal lebensgefährlich für ihn ist. Entsprechend des Sprachgebrauches in Rigus sind auch viele Passagen in Der Herr der Unterstadt ziemlich direkt und deutlich – da es aber  zur erzählten Geschichte passt, habe ich das nicht als unangemessen empfunden.

Wären übrigens die Magier,die fantasievollen Namen der Drogen und die diversen Monster nicht, könnte Rigus meiner Meinung nach auch eine beliebige, tatsächliche Großstadt irgendwo auf diesem Planeten sein. Ein gut konstruierter spannender Krimi wäre Der Herr der Unterstadt dann aber immer noch.

Mir persönlich hat diese Mischung aus Krimi und Fantasy gut gefallen, genauso wie der etwas bissige, manchmal leicht ironische Stil des Autors. Das Buch, rund 430 Seiten stark, lässt sich flüssig lesen und je weiter man dem Patron in den Sumpf aus Korruption, Geldgier und Macht folgt, umso spannender wird die Story.

Lesenswert sind übrigens auch die Danksagungen ganz am Ende des Buches – ob sich da wohl jeder Erwähnte wirklich gefreut hat?

Ich werde jedenfalls mit Spannung auf den zweiten Teil dieser Trilogie warten und vergebe 5 von 5 Drachen und kann das Buch auf jeden Fall jedem empfehlen der Krimis, Fantasy und nicht alltägliche Helden mag.

5von5 Drachen

Infos zum Autor
Daniel Polansky wurde in Baltimore geboren. Er hat Philosophie am Dickinson College studiert und schreibt fesselnde Dark Fantasy. »Der Herr der Unterstadt« ist der erste Teil seiner Saga um den Ermittler Simeon Dubois. Weiteres zum Autor: www.danielpolansky.com

Quelle: Piper Fantasy.

Buchdaten

Titel:  Der Herr der Unterstadt                                                                                                                                                                                                                              Originaltitel: Low Town
Autor: Daniel Polansky                                                                                                                                                                                                                                               Übersetzer: Michael Koseler
Verlag: Piper
Genre: Fantasy
Erscheinungsjahr: 2011
ISBN: 3492702341
Format: Taschenbuch, 432 Seiten
Preis: 15,99 €

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