Das Alphabet der Knochen | Rezension

Alphabet der Knochen - Cover 1Was ich am Herbst wirklich  mag, ist die Tatsache das ich viel Zeit zum Lesen habe und noch nicht mal eine Ausrede brauche, warum ich gerade jetzt viel lieber mit einem Buch, einem Kaffe und (ich weiß – es ist ungesund) einer Zigarette auf der Couch herum lümmel statt draußen etwas zu unternehmen *gg*

Meine Familie hat sich daran gewöhnt und meistens teile ich  mir den Platz auf der Couch ganz gerne mit meinen Mädels – bei denen wird dann allerdings Kaffe und Zigarette durch Tee und Kekse ersetzt. Gemeinsam lesen kann durchaus Spaß machen – wer die Gelegenheit hat, sollte es auf jeden Fall mal ausprobieren :-)

Das mir nicht immer jedes Buch gefällt, tut der Liebe zum Lesen übrigens keinen Abbruch und stört meine Neugier auch nicht. Nach meiner nicht wirklich begeisterten Rezension zum Buch Frauen habe ich  jetzt ein weiteres Buch aus dem Verlag Antje Kunstmann gelesen, dessen Autorin, Louise Welsh, ich bisher nicht kannte aber  die Verlagsbescheibung zu Das Alphabet der Knochen entsprach schon mal meinem Geschmack :-)

Das Alphabet der Knochen

von Louise Welsh

Dr. Murray Watson ist Literaturwissenschaftler an der Universität Glasgow und hat es sich zum Ziel gesetzt eine Biografie über Archie Lunan, einen eher unbekannten Dichter, zu veröffentlichen.

Lunan war sehr jung unter mysteriosen Umständen vor dreißig Jahren ums Leben gekommen und sein einziges veröffentlichtes Werk, ein Gedichtband mit dem Namen Moontide, sowie eine Kiste mit Notizen aus dem Nachlaß von Lunan sind alles was Murray von Lunan hat.

Trotzdem beginnt er in Lunans Leben zu stöbern, macht alte Bekannte ausfindig, spricht mit ihnen und  kommt trotz aller Bemühungen er kaum weiter.

Niemand scheint ihm tatsächlich etwas über Archie Lunan erzählen zu wollen. Der Einzige der ihm vielleicht mehr über Archie hätte sagen können, sein Freund und Saufkumpan Bobby Robb, stirbt kurz bevor Murray mit ihm Kontakt aufnehmen konnte. Lunans alter Professor ergeht sich zwar in Andeutungen über Lunans Leben, aber etwas konkretes will er ihm auch nicht sagen. Bei seinen Recherchen stösst Murray auch auf Lunans ehemalige Freundin, Christie Graves, die ihm aber ebenfalls ein Gespräch verweigert.

Er unternimmt einen letzten Versuch und mietet sich auf der Insel Lismore, auf der Lunan zuletzt lebte und auf der Christie noch immer lebt, ein Zimmer in der Hoffnung dort irgendwie mit ihr in Kontakt kommen zu können.

Nach einer Weile kommt ihm tatsächlich der Zufall zur Hilfe und er kann Christie aus einer misslichen Lage befreien, im Gegenzug bietet sie ihm ein Gespräch über Lunan an. Doch er ist sich plötzlich gar nicht mehr so sicher, ob er tatsächlich noch wissen will, wer Archie Lunan war.

Zu allem Überfluß taucht dann auch noch, ganz zufällig versteht sich, Murrays Fakultätsleiter auf, mit dessen Frau Murray ein Verhältnis hat und der Archie Lunan besser kannte als er zugeben möchte.

Murray beschließt zu guter Letzt Christie Graves Gesprächsangebot anzunehmen und erfährt mehr, als er eigentlich wissen wollte.

Mein Fazit:

Der Einstieg in dieses Buch fiel mir zuerst ein bisschen schwer. Der erste Teil befasst sich zu einem großen Teil mit Murray Watsons Leben, seinem Verhältnis zu seinem Bruder und seinem Verhältnis zur Ehefrau seines Fakultätsleiters.

Beinahe nebenbei beginnt er mit den Nachforschungen zu Archie Lunan und die ersten Gespräche die er deswegen führt sind wenig ergiebig, was mich beim Lesen beinahe genauso frustriert hat wie Murray Watson.

Trotzdem wuchs bei mir dann von Seite zu Seite doch die Neugier auf diesen merkwürdigen Archie Lunan und wer oder wie er denn nun wirklich war und was es mit seinem frühen, mysteriösem Tod auf sich hat.

Aber je mehr Murray – und damit auch ich – erfährt, desto undurchsichtiger wird Lunan eigentlich.

Erst im letzten Drittel des Buches erfährt Dr. Watson einige Dinge die ein etwas klareres Bild zeichnen und hier sind dann wieder viele Informationen wichtig, die im ersten Teil des Buches etwas langatmig erschienen. Das Ende ist dann ebenso spannend wie überraschend – aber mehr kann ich dazu nicht verraten.

Nach einem etwas schwierigen Einstieg hat mich die eigenartige, etwas düstere Atmosphäre des Buches gefangen genommen und das, obwohl mir keine der Hauptpersonen wirklich sympathisch war. Stellenweise kam ich mir ein bisschen vor wie jemand, der ein fremdes Leben haarklein und ganz objektiv seziert. Sollte ich mir Gedanken darüber machen, dass mir das tatsächlich Spaß gemacht hat??   Nein – ich glaube nicht :-)

Alphabet der Knochen Cover 2Das Coverbild, das ich versucht habe als Ganzes zu fotografieren, trifft übrigens hervoragend die Gesamtstimmung dieses Buches – ein bisschen geheimnisvoll, unheimlich und nebulös. Auf der Homepage der Insel Lismore kann man übrigens sehen, dass es da durchaus so aussieht wie Louise Welsh die Insel beschreibt :-)

Wer wirklich toll erzählte und eher unterschwellig ( oder besser doch subtil? ) spannende Geschichten mag und darauf verzichten kann mindestens auf jeder zwanzigsten Seite eine Leiche vorzufinden, dem ist Das Alphabet der Knochen auf jeden Fall zu empfehlen.

 

Infos zur Autorin
Louise Welsh wurde am 1. Februar 1965 in London geboren und absolvierte 1985 bis 1990 ein Studium der Geschichtswissenschaft an der Universität Glasgow. Danach verdiente sie ihren Lebensunterhalt acht Jahre lang als Expertin für antiquarische Bücher und schrieb Kurzgeschichten, die sie auf Anhieb publizistisch unterbringen konnte.
Ihre Romane sind eher literarisch anspruchsvolle Thriller denn Kriminalromane, spielen häufig in gut recherchierten historischen Kontexten, bedienen aber ebenfalls nicht das Genre des Historischen Romans. Mehr Bücher von Louise Welsh

 

Buchdaten

Titel: Das Alphabet der Knochen

Originaltitel: Naming the Bones

Autor: Louise Welsh

Verlag: Kunstmann Verlag

Genre: Thriller

Erscheinungsjahr: 2010

ISBN:978-3888-97676-6

Form: Gebunden, 429 Seiten

Preis: 22,00€

 

 

 

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